PsychologischeUnfallprävention

    Psychologische Unfallprävention

    Erfahrungswissenschaftliche Grundlage des Programms

    • Kein psychisch gesunder Mensch verursacht/erleidet absichtlich oder gern einen Unfall. Er begibt sich aber häufig in gefährliche Situationen. Vorschriften und Verbote halten ihn offenbar nicht davon ab. 

    • Unfallträchtiges Verhalten tritt dann häufiger auf, wenn die zu erwartenden negativen Folgen (die negativen Verstärker) geringer oder weniger wahrscheinlich erscheinen als der zu erwartende Gewinn (die positiven Verstärker). 

    • Jede Regelmissachtung, die ohne negative Folge bleibt, wird durch das Ausbleiben der negativen Folge positiv verstärkt (Eigenerfahrung).

    • Jede Beobachtung, wie ein Kollege oder Vorgesetzter ohne negative Konsequenzen Sicherheitsvorschriften verletzt, ist eine positive Verstärkung und ein Anreiz, Dasselbe zu tun (Lernen am Modell). 

    • Auf diesem Wege erhalten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter durch Eigenerfahrung und durch Modellernen mehr positive Verstärkung unfallträchtigen Verhaltens, als negative Verstärkung. Dagegen sind Sicherheitsvorschriften und Gefahrenhinweise machtlos. 

    Die psychologischen Ursachen unfallträchtigen Verhaltens

    Psychologische Unfallanalysen in Unternehmen und im Straßenverkehr fördern folgende Hauptursachen des Fehlverhaltens zutage:

    1. Kompetenzillusion: „Ich kann das, weil Ich hab das schon immer so (oder so ähnlich) gemacht.“ „Ich habe meine Erfahrungen.“ „Ich kenne den Laden.“ „Ich weiß selbst am besten, was ich zu tun und was ich zu lassen habe, denn ich weiß, was ich mir zutrauen kann.“

      Kompetenzillusion ist die Bereitschaft, das eigene Handeln nur von der eigenen Person abhängig zu machen. Sie verstößt bewusst gegen Regeln, weil sie deren Eigenbezug nicht anerkennt, oder unbewusst, weil sie keine Zweifel an sich selbst hat. 

    1. Vermindertes Gefahrenbewusstsein, Risikoneigung: „Mir passiert doch nichts, mir ist noch nie was passiert.“, „Das war einfach dummes Pech.“ „Staublunge? Die hab ich schon lang und lebe immer noch.“

      Unerfahrenheit und / oder die selten eintretenden negativen Verstärker  führen zur Gewöhnung an Gefahr und zur erhöhten Risikoneigung. Unfälle und die Unfallgefahren verschwinden so aus dem Bewusstsein. Die Dissonanz mit dem eigenen unfallträchtigen Verhalten unterbleibt.

    1. Zeitdruck: „Hab keine Zeit.“ „Die Arbeit geht vor.“ „Zeit ist Geld.“ „Das geht mir alles viel zu langsam.“ „Das muss heute noch erledigt werden, die anderen warten schon.“

      Zeitdruck ist selbst- und fremdverursacht. Er erzeugt Stress, der – biologisch vernünftig, aber gefährlich – dazu führt, sich nur auf die Aufgabenerledigung zu konzentrieren, und alles Andere außer Acht zu lassen.

    1. Modellernen unfallträchtigen Verhaltens: „Ich mach das, was die anderen erfolgreich vormachen.“ „Der Chef macht es genau so und die anderen auch.“

      Kolleginnen und Kollegen, besonders aber die Vorgesetzten sind die „Modelle“, deren Verhalten imitiert wird, wenn es als erfolgreich erlebt wird. Modellernen vollzieht sich meist unbewusst. Erst durch Nachfragen werden die o.g. Einstellungen bewusst.

    1. Konflikte zwischen Ergebnisorientierung und Risikovermeidung: „Wir sind hier, um zu produzieren.“ „Die Schutzbrille behindert mich nur.“ „Die vielen Vorschriften kann man gar nicht alle im Kopf haben.“

    Ziel des Programms

    Einen Prozess der dauerhaften, sich selbst verstärkenden Reduktion dieser psychologischen Ursachen etablieren sowohl auf der Verhaltens- als auch auf der mentalen Ebene und durch eigenverantwortliches, regelkonformes Verhalten ersetzen. 

    Durchführung

    Das Programm umfasst i.d.R. 6 Sitzungen à 2 Stunden, verteilt über 6 Monate = ca. 1 Sitzung pro Monat. Seine Durchführung liegt in den Händen von Diplompsychologen mit einschlägigen Erfahrungen in Sicherheitsarbeit in Unternehmen und in der Steuerung von Gruppenprozessen zu diesem Thema (z.B. Unfallverhütung in Speditionen).

    Dem Ziel entsprechend, einen dauerhaften, sich selbst verstärkenden Prozess zu etablieren, muss sich das Programm nach Anwendung auf – je nach Unternehmensgröße eine oder mehrere – ausgewählte Trainingsgruppen, von innen heraus ausbreiten. Jedes Gruppenmitglied ist so gleichzeitig Erziehender und Lernender. Diese Tatsache fördert den notwendigen Übergang von der Fremdsteuerung zur Selbststeuerung. Der Trainer initiiert, moderiert, gibt feedback, als „Lotse“, nicht als „Kapitän“. In direktem Kontakt mit der Trainingsgruppe obliegt ihm:

    • Das Eintrainieren des Programms

    • Die Weitergabe der eintrainierten Kompetenz von der Trainingsgruppe auf die restlichen Mitarbeiter des Unternehmens/der Abteilung

    Die positive Verstärkung regelkonformen Verhaltens geht in erster Linie von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern selbst aus und wird von diesen aufrecht erhalten. Die positiven Verstärker können keine Hygienefaktoren (Geld, Prämien) sein. Es müssen Motivatoren sein: Soziale Verstärker, die dazu beitragen, Sicherheit im Unternehmen als positiv erlebten Wert zu verinnerlichen. Das bedeutet konkret:

    • Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bestimmen den / die positiven Verstärker

    Ein wichtiger Programmteil –auch im Hinblick auf seine Akzeptanz und die persönliche Bedeutung sowohl für die Mitglieder der Trainingsgruppe(n), als auch für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Unternehmen – ist die Aufarbeitung von gefährlichen Situationen und Unfällen.

    Diese Aufarbeitung umfasst:

    • Problembewusstsein herstellen durch Aufdecken der psychologischen Ursachen des Unfalls

    • Betroffenheit erzeugen: „Diese Ursachen treffen auch auf mich zu, ich könnte es ebenso gewesen sein.“

    • Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter legen gemeinsam die Maßnahmen fest, die hinreichend sind, um diesen oder ähnliche Unfälle in Zukunft zu verhindern

    Die Ablauforganisation liegt in den Händen des Unternehmens. OPuS stellt die Trainer zur Verfügung und führt die Evaluation durch. Die Evaluationskriterien werden zusammen mit dem Unternehmen festgelegt.

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